Die BOS-Anlage ist installiert, abgenommen, in Betrieb. Drei Jahre später baut der Mieter im 2. Obergeschoss einen neuen Serverraum ein – mit massiver Metallverkleidung, dichtem Doppelboden, bleierten Türen. Niemand informiert den Gebäudebetreiber. Niemand misst nach.
Beim nächsten Brandeinsatz können die Einsatzkräfte im Serverraum nicht über Funk kommunizieren. Die BOS-Anlage ist technisch intakt – aber der neue Raum liegt in einer Funkschatten-Zone, die bei der letzten Messung noch nicht existierte.
Dieses Szenario beschreibt eine der häufigsten Schwachstellen in der BOS-Versorgung: Versorgungslücken durch ungemeldete bauliche Veränderungen. In diesem Artikel erklären wir, was eine normkonforme Funkfeldmessung leistet, wie sie durchgeführt wird und in welchen Situationen Sie zwingend nachmessen lassen müssen.
Warum Funkfeldmessungen unverzichtbar sind
Ein BOS-Repeater sendet in alle Richtungen – aber Funksignale verhalten sich nicht wie Licht. Sie werden von Materialien unterschiedlich stark gedämpft, reflektiert und gebeugt. Nur eine Messung zeigt, was tatsächlich ankommt.
Die Dämpfungswerte typischer Baumaterialien im TETRA-Band (380–400 MHz):
| Material | Dämpfung (typisch) | Risiko |
|---|---|---|
| Normaler Innenputz | 1–3 dB | Gering |
| Stahlbetondecke | 8–15 dB | Mittel – mehrere Stockwerke kritisch |
| Metallverkleidung / Fassade | 15–30 dB | Hoch – oft vollständige Abschirmung |
| Doppelverglasung (Wärmeschutz) | 10–20 dB | Hoch – besonders bei modernen Bürofassaden |
| Tiefgaragenwände (Stahlbeton) | 20–40 dB | Sehr hoch – ohne Anlage keine Versorgung |
| Bleiverkleidung / Strahlenschutzräume | 40+ dB | Kritisch – vollständige Eigenversorgung nötig |
Was das bedeutet: Ein einziger nachträglich eingebauter Metallschrank in einem Korridor kann den dahinterliegenden Bereich aus der Funkversorgung werfen. Ohne Messung merkt das niemand.
Was eine Funkfeldmessung nach DIN 14024 beinhaltet
Eine normkonforme Messung ist kein Spaziergang mit dem Handfunkgerät. Sie folgt einem definierten Protokoll:
1. Referenzpunkterfassung
Zunächst werden alle relevanten Bereiche des Gebäudes definiert: Alle Räume und Etagen, die von Einsatzkräften im Notfall betreten werden könnten. Daraus ergibt sich ein Messraster – typisch alle 5 bis 10 Meter.
2. Messung der Empfangsfeldstärke (Downlink)
An jedem Messpunkt wird die Feldstärke des BOS-Digitalfunks (TETRA) gemessen. Die DIN 14024 definiert einen Mindestwert von -95 dBm (tatsächlich geforderte Werte können je nach Bundesland leicht abweichen). Dieser Wert muss an allen definierten Messpunkten eingehalten werden.
3. Messung der Sendefeldstärke (Uplink)
Nicht nur der Empfang, auch das Senden des Handgeräts aus dem Gebäude heraus muss geprüft werden. Eine einseitige Messung ist nicht normkonform.
4. Akustischer Durchruf-Test
Ergänzend zum elektronischen Messwert wird in der Praxis ein Sprachtest mit einem echten BOS-Endgerät durchgeführt – in allen kritischen Bereichen. Was auf dem Papier passt, muss auch akustisch funktionieren.
5. Dokumentation und Messprotokoll
Alle Messwerte werden in einem vollständigen Prüfprotokoll dokumentiert: mit Grundriss, Messpunkten, Messwerten, Datum, Messgerät-Kalibrierung und Unterschrift des qualifizierten Prüfers. Dieses Protokoll ist die entscheidende Unterlage bei Feuerwehrbegehungen.
Wann ist eine Neumessung Pflicht?
Diese Frage unterschätzen die meisten Betreiber. Eine einmalige Abnahmemessung schützt nicht dauerhaft. Eine Neumessung ist in diesen Situationen zwingend erforderlich:
- 🔄 Bauliche Veränderungen – Neue Trennwände, Raumaufteilungen, Deckenabsenkungen
- 🔄 Einbau metallischer Konstruktionen – Serverräume, Kühlräume, Stahlregale
- 🔄 Neue Außenfassade – Wärmedämmverbundsystem, Glasfassaden, Metallverkleidung
- 🔄 Änderung der Nutzungsart – z.B. Büro wird zu Krankenhaus-Station oder Labor
- 🔄 Änderung am BOS-Funknetz selbst – neue Repeater-Typen, Kanalwechsel
- 🔄 Neue Auflagen der Feuerwehr – nach Feuerwehrkontrolle oder bei Gebäudezulassung
Typische Stellen mit Versorgungslücken
Aus über 35 Jahren Praxis wissen wir, wo Versorgungslücken am häufigsten auftreten:
- Unterste Kellerebenen bei mehrstöckigen Tiefgaragen – jede weitere Ebene kostet 10–15 dB
- Aufzugsschächte und der unmittelbare Bereich darum herum
- Treppenhauskerne in Hochhäusern ab dem 10. OG – Signal von außen reicht nicht mehr
- Haustechnikräume mit dichten Metallschränken
- Sanitärräume mit Fliesen auf Metallunterkonstruktion
- Nachträglich ausgebaute Dachräume mit Mineralwolledämmung in Metallkassetten
Was kostet eine Funkfeldmessung?
Die Kosten einer Messung hängen primär von der Gebäudegröße und der Anzahl der Messpunkte ab. Für ein mittelgroßes Objekt ist eine professionelle Messung mit Protokoll ein kalkulierbarer, einmaliger Aufwand – der sich gegen die Kosten einer behördlichen Nachforderung oder eines Feuerwehreinsatzes ohne Funkkommunikation rechnet.
BESCom bietet Funkfeldmessungen als eigenständige Leistung an – auch ohne bestehenden Wartungsvertrag. Nach der Messung erhalten Sie ein vollständiges, behördlich anerkanntes Protokoll und eine Empfehlung zu notwendigen Maßnahmen.
💡 Unser Ansatz: Wir messen nicht, um Arbeit zu generieren – wir messen, um zu wissen, was wirklich ist. Wenn Ihre Anlage normkonform versorgt, sagen wir Ihnen das ehrlich. Wenn es Lücken gibt, zeigen wir Ihnen die präzise, kosteneffiziente Lösung.
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Fazit: Eine Messung ist keine Formalität – sie ist die Realitätsprüfung
Gebäude verändern sich. Bauliche Maßnahmen, neue Nutzungen, veränderte Funknetzparameter – jede dieser Veränderungen kann stille Versorgungslücken erzeugen. Nur wer regelmäßig misst und bei Veränderungen sofort nachmisst, kann sicher sein, dass seine BOS-Anlage im Ernstfall das leistet, was sie soll.
BESCom führt Funkfeldmessungen mit kalibriertem Equipment und vollständiger DIN-14024-konformer Dokumentation durch. Als BODeV-zertifizierter Fachbetrieb sind unsere Protokolle behördlich anerkannt – in Hamburg und bundesweit.
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