Kurz gesagt
Die Panoramamessung (PM) erfasst am geplanten Standort der Anbindeantenne das komplette TETRA-Spektrum und macht alle sichtbaren BOS-Basisstationen (Anbindezellen) messbar. Aus ihren Pegeln und der Qualität wird die optimale Donor-Zelle für den TMO-Repeater bestimmt. Sie ist für netzangebundene Anlagen zwingend und sichert einen dauerhaft stabilen, rückwirkungsfreien Betrieb – ohne Störung der umliegenden Freifeld-Basisstationen.
Wozu dient die Panoramamessung?
Ein netzangebundener TMO-Repeater (TMOR) bezieht sein Signal über eine Richtantenne aus einer BOS-Basisstation des Freifeldnetzes. Welche Zelle sich dafür eignet, ist von außen nicht ersichtlich – die Panoramamessung macht es messbar. Sie ist für die Bewertung der potenziellen Anbindezellen und die Festlegung der optimalen Anbindung obligatorisch.
Die Messung erfüllt drei Aufgaben zugleich:
- Bewertung aller sichtbaren Anbindezellen nach Pegel und Signalqualität
- Festlegung von Anbindezelle und Ausrichtung der Richtantenne
- Abschätzung der Rückwirkung auf das Freifeldnetz – also der Uplink-Belastung der umliegenden Basisstationen durch die Aussendungen der Objektversorgung
Messprinzip: Omni- und Richtantenne kombiniert
Die Panoramamessung wird grundsätzlich an der Position durchgeführt, an der später die Anbindeantenne montiert wird – mit möglichst freier 360°-Rundumsicht und bestmöglich freier erster Fresnelzone. Die Position wird per GPS im WGS-84-Format samt Höhe über Grund dokumentiert. Das Verfahren ist zweistufig:
- Rundstrahlantenne (Omni): Zunächst wird ein Überblick über alle sichtbaren Zellen aufgenommen – welche Basisstationen sind am Standort überhaupt empfangbar?
- Richtantenne (Doppel-Yagi): Anschließend wird das Empfangsspektrum richtungsselektiv in Schritten von 15° (bzw. maximal 30°) von 0° (Nord) über den vollen Kreis aufgenommen. So wird jede Zelle einer Richtung zugeordnet.
Messequipment
| Komponente | Typ / Eigenschaft |
|---|---|
| Richtantenne | Doppel-Yagi für 380–400 MHz, richtungsselektive Aufnahme |
| Rundstrahlantenne | Omni-Antenne für den Zellüberblick |
| Bandpassfilter | BPF für das BOS-Band (typ. ca. 1,2 dB Einfügedämpfung) |
| Messsystem | TETRA-Netzscanner / Spektrumanalysator (kalibriert) |
| Zubehör | Stativ mit Nivelierung, Mast-Drehadapter, Kompass, GPS-Empfänger |
BDBOS-Kategorien & Mindestpegel
Die BDBOS-Richtlinien ordnen die geforderte Versorgungsqualität in Kategorien ein. Sie definieren je Kategorie einen Mindest-Empfangspegel und einen zugehörigen Qualitätswert (RMSVE – Received Message Signal Value Error), an denen sich Anbindung und Auswertung orientieren:
| Kategorie | Mindestpegel | RMSVE |
|---|---|---|
| Kategorie 1 | −94 dBm | 25 |
| Kategorie 2 | −90 dBm | 15 |
| Kategorie 3 | −88 dBm | 10 |
| Kategorie 4 | −85 dBm | 5 |
Die anzuwendende Kategorie und die maßgebliche Richtlinienfassung gibt die anfordernde BOS bzw. die BDBOS vor. Höhere Kategorien bedeuten höhere Pegel- und Qualitätsanforderungen.
Auswertung: LAC, MCCH & Medianwerte
Für jede Winkelstellung werden die empfangenen Zellen erfasst und pro LAC (Location Area Code) und MCCH (Main Control Channel) der Medianwert des Pegels gebildet. Die Zahl der erfassten Zellen sollte zunächst möglichst groß sein – eine Reduktion oder Pegelbegrenzung erfolgt erst später in der Auswertung, um keine potenzielle Anbindezelle vorschnell auszuschließen.
Der Messbericht beschreibt Messaufbau und Messequipment im Detail und stellt die Ergebnisse zweifach dar: als Tabelle (Pegelwert je LAC und MCCH pro Winkelschritt) und als Diagramm. Aus dieser Datenbasis wird die Anbindezelle ausgewählt und die endgültige Ausrichtung der Richtantenne festgelegt.
Umfeldmessung & Rückwirkungsfreiheit
Ergänzend zur eigentlichen Panoramamessung gehört die Umfeldmessung zur Anbindungsanalyse. Sie wird vor der Realisierung zur Unterstützung der Zellauswahl durchgeführt und nach der Realisierung mit aktivierter und deaktivierter Anlage wiederholt. So lässt sich die Außenwirkung der Objektversorgung bestimmen und die Übergänge zwischen Objekt und Freifeld bewerten.
Dieser Schritt ist entscheidend für den rückwirkungsfreien Betrieb: Die Objektversorgung darf das umliegende BOS-Freifeldnetz nicht stören. Panorama- und Umfeldmessung sind zwei der fünf verpflichtenden HF-Messaufgaben (MA-OV), die bei jeder netzangebundenen Anlage zu dokumentieren sind. Wie die passende Repeater-Verstärkung anschließend gegen Rückkopplung abgesichert wird, zeigt der Beitrag zur Antennenisolation & Entkopplung.
Häufige Fragen
Ein Endgerät zeigt nur eine geräteinterne Signalanzeige, keine kalibrierten Absolutpegel. Für die Zellbewertung sind reproduzierbare Pegelwerte je Zelle und Richtung nötig – deshalb schreiben die HF-Messaufgaben einen Netzscanner, Spektrumanalysator oder ein gleichwertiges Messsystem vor.
Immer dann, wenn die Objektfunkanlage netzangebunden im TMO-Betrieb geplant ist. Der TMO-Repeater bezieht sein Signal aus einer Freifeld-Basisstation; die Panoramamessung bestimmt, welche Zelle dafür geeignet ist. Bei rein autarken DMO-Lösungen entfällt die Anbindungsanalyse.
Die Objektversorgung darf das umliegende BOS-Freifeldnetz nicht stören – insbesondere nicht durch Uplink-Aussendungen die benachbarten Basisstationen belasten. Die Panorama- und Umfeldmessung weisen nach, dass Anbindung und Pegel so gewählt sind, dass keine störende Rückwirkung entsteht.
Sie definieren die geforderte Versorgungsqualität. Jede Kategorie legt einen Mindest-Empfangspegel (−94 bis −85 dBm) und einen Qualitätswert (RMSVE 25 bis 5) fest. Welche Kategorie gilt, gibt die anfordernde BOS bzw. die BDBOS vor – höhere Kategorien fordern höhere Pegel und bessere Signalqualität.
Mit der Richtantenne wird das Spektrum richtungsselektiv in Schritten von 15° – maximal 30° – über den vollen Kreis von 0° (Nord) aufgenommen. Für jede Richtung werden Spektrum und Zellpegel erfasst und fotografisch dokumentiert.
