Kurz gesagt
Der BDBOS-Leitfaden L-OV und die zugehörigen HF-Messaufgaben (MA-OV) schreiben fünf Messungen für digitale BOS-Objektfunkanlagen mit TMO-Repeater vor: Panoramamessung, Umfeldmessung, Entkopplung, Anbindepegel und Uplink-Rauschleistung. Jede Messung wird durch einen prüffähigen Messbericht dokumentiert. Erst wenn sie vorliegen und bestanden sind, kann die Anlage abgenommen und in Regelbetrieb genommen werden.
Überblick & rechtliche Einordnung
Die HF-Messaufgaben (MA-OV) fassen die messtechnischen Pflichten bei Errichtung und Betrieb einer netzangebundenen BOS-Objektfunkanlage zusammen. Sie sind ein normativer Verweis der DIN 14024-1 und konkretisieren den BDBOS-Leitfaden zur Planung und Realisierung von Objektversorgungen (L-OV). Für Planer und Errichter sind sie die verbindliche Checkliste vor Ort.
Die Messungen greifen ineinander: Die ersten beiden legen die Anbindung fest, die dritte sichert die Stabilität, die letzten beiden weisen die Netzverträglichkeit nach.
Die fünf Messaufgaben im Überblick
| # | Messaufgabe | Zweck | Kern-Parameter |
|---|---|---|---|
| 1 | Panoramamessung | Empfangssituation an der Anbindeantenne, Auswahl der Anbindezelle | Omni + Richtantenne, 15°/30°-Schritte, Netzscanner |
| 2 | Umfeldmessung | Empfangssituation im Umfeld vor/nach Realisierung, Übergänge Objekt ↔ Freifeld | Empfangsantenne ca. 1,5 m, aktiviert/deaktiviert |
| 3 | Entkopplung | Isolation zwischen Anbinde- und Versorgungsantenne | ≥ 200 Punkte / 5 MHz, RBW 1 kHz, VBW 3 kHz, RMS + Max-Hold |
| 4 | Anbindepegel | Kanalleistung der Anbindeantenne am Repeatereingang | MCCH als Mittenfrequenz, RBW/VBW 300 Hz, Genauigkeit < 1 dB |
| 5 | Uplink-Rauschleistung | Rauschleistung im Uplink vom Repeater zur Basisstation | UL-Band 380–385 MHz + ≥ 2,5 MHz Randband, MCCH |
Die Messaufgaben im Detail
1. Panoramamessung. Am geplanten Standort der Anbindeantenne wird mit einer Rundstrahlantenne der Überblick über die sichtbaren Zellen und mit einer Richtantenne das Empfangsspektrum in Winkelschritten aufgenommen. Ergebnis ist die Auswahl der Anbindezelle. Details im Beitrag Panoramamessung & Anbindungsanalyse.
2. Umfeldmessung. Vor der Realisierung unterstützt sie die Auswahl der anzubindenden Basisstation. Nach der Realisierung wird mit aktivierter und deaktivierter Anlage gemessen, um die Außenwirkung zu bestimmen und die Übergänge zwischen Objekt und Freifeld zu bewerten. Die Empfangsantenne in ca. 1,5 m Höhe sichert vergleichbare Ergebnisse; die Rohdaten werden zu Messpixeln passender Kantenlänge verdichtet.
3. Entkopplung. Über den gesamten Frequenzbereich wird die Isolation zwischen Anbinde- und Versorgungsantenne gemessen – mit möglichst niedrigem Referenzpegel, ohne Eingangsdämpfung und mit begrenzter Generatorleistung (≤ 10 dBm, typisch 0 dBm). Der Messbericht zeigt die minimale Isolation im Screenshot. Auslegung und 15-dB-Regel im Beitrag Antennenisolation & Entkopplung.
4. Anbindepegel. TETRA-konforme Aufnahme der Kanalleistung von der Anbindeantenne am Repeatereingang, Messgenauigkeit unter 1 dB. Der MCCH wird als Mittenfrequenz gewählt, der Span ausreichend groß gesetzt, um die Nachbarkanäle zu erfassen (Konfiguration: RMS-Detektor, RBW und VBW 300 Hz).
5. Uplink-Rauschleistung. TETRA-konforme Aufnahme der Kanalleistung am Antennenausgang des Repeaters. Dargestellt wird das gesamte Uplink-Band (380–385 MHz) plus mindestens 2,5 MHz Randband sowie ein ausgewählter Kanal – üblicherweise der MCCH der angebundenen Basisstation. Bei kanalselektiven Repeatern ist das UL-Muting für alle Träger zu aktivieren und je Objekt zu konfigurieren; gemessen wird jeweils mit und ohne Muting.
Wann darf mit aktiver Anlage gemessen werden?
Anforderungen an den Messbericht
Jede der fünf Messaufgaben wird durch einen eigenen Messbericht dokumentiert. Er beschreibt Messaufbau, verwendetes Messequipment, dessen Konfiguration und die weiteren Randbedingungen und stellt die Ergebnisse nachvollziehbar dar – als Tabelle, Diagramm und/oder Screenshot. Diese Berichte sind Bestandteil der Anlagendokumentation und Grundlage für die Abnahme durch die fordernde BOS.
Wie diese Messungen in den Gesamtablauf von Planung, Errichtung und Betrieb eingebettet sind, zeigt der DIN-14024-Guide mit den neun Bauphasen. Der laufende Betrieb und die wiederkehrenden Prüfungen richten sich zusätzlich nach DIN VDE 0833-4.
Häufige Fragen
Fünf: Panoramamessung (Empfang an der Anbindeantenne), Umfeldmessung, Entkopplung von Anbinde- und Versorgungsantenne, Anbindepegel am Repeatereingang und die Rauschleistung im Uplink zur Basisstation. Jede Messung ist durch einen Messbericht zu dokumentieren.
Die fünf Messaufgaben zielen auf netzangebundene Anlagen mit TMO-Repeater, bei denen Anbindung und Netzverträglichkeit nachzuweisen sind. Für rein autarke DMO-Lösungen ohne Netzanbindung entfallen die anbindungs- und uplinkbezogenen Messungen; maßgeblich bleiben die behördlichen Vorgaben.
Nur eingeschränkt. Messungen mit aktiver Objektversorgung sind erst nach Anzeige bei der Bundesnetzagentur und Freigabe der Frequenznutzung durch die BDBOS zulässig. Danach ist die Anlage wieder zu deaktivieren; der Regelbetrieb beginnt erst nach der Abnahme.
Sie weist nach, dass die Objektversorgung das BOS-Freifeldnetz nicht durch erhöhtes Uplink-Rauschen stört. Bei kanalselektiven Repeatern wird dazu das UL-Muting geprüft – jeweils mit und ohne Muting –, um die Netzverträglichkeit zu belegen.
Die Messberichte sind Teil der Anlagendokumentation und Grundlage für die Abnahme durch die fordernde BOS. Erstellt und fachlich bewertet werden sie von spezialisierten HF-Fachplanern; die Behörde prüft sie im Rahmen des Anzeigeverfahrens und der Abnahme.
